Als ob die Sinne erweitert würden … Augmented Reality als Emotionalisierungsstrategie

Von Sascha Demarmels | In der Öffentlichkeit ringen Werbeträger über verschiedene Kanäle um unsere Aufmerksamkeit. Gefragt sind darum neben attraktiven Inhalten auch innovative Kommunikationsformen. In diesem Aufsatz gehe ich der Entwicklung der Codes im Out-of-Home-Bereich nach und betrachte dabei die multimodale Kommunikation von Plakaten und öffentlichen Screens und Displays. Zu den ursprünglichen Ausdrucksmitteln wie Schrift, Bilder und Farbe kamen vor einigen Jahren Beleuchtung und Bewegung der Werbeträger.

Die Als-ob-Struktur von Emotikons im WWW und in anderen Medien

Von Christian Trautsch und Yixin Wu | Der vorliegende Beitrag befasst sich mit der Als-ob-Struktur von Emotikons im World Wide Web und in anderen Medien. Emotikons stellen ein wichtiges Element bei der Internetkommunikation dar. Ihre zunehmende Verwendung ist insbesondere aus dem Bedürfnis heraus entstanden, einen unmittelbaren Eindruck des emotionalen Zustands vom Gegenüber zu haben. Dieser fehlt bei der Schriftkommunikation im Internet (z.B. Instant Messaging Systeme, Diskussions- und Chatforen, E-Mails), was durch Emotikons kompensiert wird.

The Semantics of Artefacts How We Give Meaning to the Things We Produce and Use

Von Martin Siefkes | Broadly defined, every result of a human action is an artefact. In a narrower sense, the term is used for material things resulting from human actions; in this sense, all artefacts together form the realm of material culture. Although meanings play an important role in our daily interaction with artefacts, they have never been treated in a comprehensive and systematic fashion. In design theory, cultural semiotics, anthropology, and archaeology, different approaches to the semantics of artefacts have been taken. The article draws on these findings to build a generalized approach to artefact semantics that concentrates on the processes in which artefacts are connected with meanings.

›Le Corancan‹. Sprechende Beine

Von Klaus H. Kiefer | Mit den Mitteln der Körper- und Kleidersprache nimmt Nick Walkers Graffito Le Corancan 2010 Stellung zur ›loi anti-burqa‹ Frankreichs. Die mit einem Niqab verschleierten Tänzerinnen schwingen nach Art des French Cancan die Beine, wobei sie Dessous in den französischen Nationalfarben enthüllen. Die abgespreizten ›naturnahen‹ Beine durchkreuzen die beiden opponierenden Kulturen. Integrieren oder negieren sie diese? Erweist sich die zur Schau gestellte Sexualität der Musliminnen als Bedrohung, oder liegt hier ein emanzipatorischer Akt der Entschleierung vor? – Nick Walker lässt die Zeichen tanzen. Er verkoppelt die elementaren Reiz-Reaktionsmuster des Geschlechtsverkehrs mit ideologischen Fragestellungen, und er lenkt dabei auch den Blick auf die Entstehung des Cancan zurück. Dieser mutierte vom anarchischen Volksvergnügen (das bis zu primitiven Stammestänzen zurück zu verfolgen ist) zum ›infernalischen Schlussgalopp‹ in Offenbachs Orphée aux enfers und dann zum voyeuristischen Amüsement des dekadenten Bourgeois im Moulin Rouge. – Der Cancan hat mit dem Paradeschritt, der im Deutschen ›Stech-schritt‹ heißt, im Englischen aber ›goose step‹, im Französischen ›pas de l’oie‹ (beides bedeutet ›Gänseschritt‹), nicht nur das geschwungene gestreckte Bein gemeinsam, das die anatomisch bedingte Gangart der Gänse und Enten imi-tiert. Etymologisch rührt ›Cancan‹ selber vermutlich vom kindersprachlichen ›cancan‹ – für ›canard‹ (frz. Ente) – her. Zwischen Monty Python-Komik, sexueller Konnotation und militärischer Ästhetik entfaltet die prostitutive Geste vor den Alpha-Männchen oder solchen, die sich dafür halten, nach wie vor ihre Wirkung.

Funktionen des bildnerischen Denkens

Von Goda Plaum | Im Rahmen der bildwissenschaftlichen Diskussion um den menschlichen Umgang mit Bildern unterliegt der Prozess der Bildrezeption vielfältiger Untersuchungen durch die verschiedenen Fachdisziplinen. Der Prozess der Bildproduktion hingegen findet kaum Beachtung. Dieser Artikel versucht zu zeigen, dass eine Berücksichtigung des Produktionsprozesses größere Chancen bietet, unseren Umgang mit Bildern zu verstehen. Abgesehen davon, dass jede Bildproduktion Phasen der Rezeption enthält, besteht darüber hinaus ein wesensmäßiger Zusammenhang zwischen beiden Prozessen, die unter dem Begriff des bildnerischen Denkens treffend zusammengefasst werden können. Daher ist es sinnvoll, beide Prozesse gemeinsam zu untersuchen. Der Artikel liefert eine Analyse der Funktionen des bildnerischen Denkens sowie eine Veranschaulichung einer dieser Funktionen anhand von mehreren Bildbeispielen.

Kleine Kulturgeschichte des Menschenbildes

Von Constantin Rauer | Über die Reflexion der philosophischen Anthropologie zeichnet dieser Essay die nahezu 40 000-jährige Geschichte des Menschenbildes nach. Die Geschichte beginnt mit den ältesten Menschendarstellungen der Menschheit, der sogenannten ›Schwäbischen Venus‹ und dem sogenannten ›Löwenmenschen‹, und endet mit den Ikonen von heute, heißen sie nun Madonna, Michael Jackson oder Schwarzenegger. Die Geschichte zeigt, dass die Bilder, die sich die Menschen vom Menschen machten, stets Maskenbilder waren: In der Steinzeit finden wir maskierte Schamanen, in den antiken Hochkulturen verschleierte Götzen und Götter, im Mittelalter idolatrisierte Heilige und in der Neuzeit und Moderne wird der Mensch selbst zur Ikone.

›A Skin Deep Creed‹ Tattooing as an Everlasting, Visual Language in Relation to Spiritual and Ideological Beliefs

Von Jennifer Daubenberger | Dieser Artikel basiert auf den Forschungsergebnissen zu einer noch nicht abgeschlossenen und demzufolge unveröffentlichten Dissertation über die allgemeine Rezeption der Tätowierung in der Zeitgenössischen Kunst. Er widmet sich dem augenscheinlichen Phänomen der Verknüpfung von Glaube2 und Tätowierung in der Zeitgenössischen Kunst und versucht, u.a. mittels eines kurzen historischen Überblicks, der Auseinandersetzung mit dem aktuellen Tattookult und einer Analyse der allgemeinen sozialen Merkmale der Tätowierung, mögliche Gründe hierfür vorzuschlagen.

›Grammaticalization‹ within Pictorial Art? Searching for Diachronic Principles of Change in Picture and Language

Von Sonja Zeman | Vor dem Hintergrund theoretischer wie methodologischer Überlegungen in Bezug auf das gegenseitige Verhältnis zwischen Sprache und Bild diskutiert der Artikel die Frage, ob und inwieweit sich der Prozess der Grammatikalisierung als ein grundlegendes Prinzip sprachlichen Wandels auf die Entwicklung narrativer Bilder übertragen lässt. Aus der allgemeinen Perspektive der Bildwissenschaft wird dafür argumentiert, dass es sowohl in diachroner wie synchroner Hinsicht vielversprechend erscheint, eine Vergleichsebene von Bild- und Sprachsystem funktional aus grundlegenden semiotischen Prozessen abzuleiten.

The Descent of Art The Evolution of Visual Art as Communication via Material Culture

Von Larissa Mendoza Straffon | Dieser Artikel beginnt mit einer Analyse dreier aktueller und einflussreicher Evolutionsansätze zu den Ursprüngen der Bilder. Der erste Ansatz geht auf Darwin zurück und deutet an, dass Kunst, ähnlich wie der Pfauenschwanz, durch sexuelle Selektion entstand, um im Paarungsverhalten das andere Geschlecht anzulocken. Ein zweiter Ansatz geht davon aus, dass es die Hauptfunktion der Kunst ist, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, um sozialen Zusammenhalt zu fördern und die allgemeine Fitness der Gruppe zu steigern. Das dritte Modell besagt, dass Kunst während der Evolution ein Hilfsmittel darstellte, um mentale Strukturen zu organisieren und kognitive Fähigkeiten zu fördern – bspw. Gedächtnis und Lernen.