Kategorie: IMAGE 20/2014
Angst vor der Sprache Zur Kritik der sprachkritischen Ikonologie
Von Mark A. Halawa | Als Gottfried Boehm vor zwanzig Jahren den iconic turn ausrief, leitete er mehr als nur eine verstärkte Auseinandersetzung mit bildtheoretischen Fragen ein. So ist die Idee einer ›ikonischen Wende‹ untrennbar mit einem dezidiert sprachkritischen Anliegen verbunden. Demnach erschließt sich der ›Eigensinn‹ des Bildlichen alleine in fundamentaler Opposition zur Sprache. Dieser Beitrag stellt heraus, dass die sprachkritische Leitmotivik des iconic turn auf höchst unproduktive Weise zur Fortsetzung des uralten Paragone-Streits beiträgt. Zu diesem Zweck wird zum einen herausgearbeitet, inwieweit Boehms sprachkritische Ikonologie auf einem einseitigen Begriff der Sprache aufbaut. Zum anderen wird dargelegt, weshalb die von Boehm entfaltete sprachkritische Ikonologie mit einem puristischen Bilddenken zusammenläuft, das auf einer ebenso tiefgreifenden wie problematischen Angst vor der Sprache gründet.
Heilkunst und Kunst Ärztinnen und Ärzte in der österreichischen Malerei des 20. Jahrhunderts. Eine sowohl künstlerische als auch tiefenpsychologische Reflexion
Von Barbara Laimböck | Anhand von zehn Gemälden, die einerseits auf einer künstlerischen, anderer-seits auf einer psychologischen Ebene betrachtet werden, wird vor allem ein Phänomen diskutiert, das zur Malerei im Speziellen, aber auch zur Kunst im Allgemeinen gehört: Brüche, Verbergen, Verdrängen, Abspalten sollen in einen Diskurs geholt und damit ›benennbar‹ werden. Die Malerei kann gleichzeitig ›verhüllen‹ und ›enthüllen‹. Damit überschreitet die Arbeit das ursprünglich genannte und in der Überschrift formulierte Ziel, ›Ärztinnen und Ärzte in der Malerei des 20. Jahrhunderts‹ darzustellen. Gleichzeitig wird deutlich, dass nur ein sehr kleiner Ausschnitt aus der Kunstgeschichte und der Kulturgeschichte bearbeitet werden konnte.
Ästhetik und Pragmatismus Zur funktionalen Relevanz einer nicht-diskursiven Formauffassung bei Cassirer, Langer und Krois
Von Martina Sauer | Sowohl Ernst Cassirer als auch nachfolgend die amerikanischen Philosophen Susanne K. Langer und John M. Krois gehen von einer nicht-diskursiven und zugleich funktionalen Relevanz von Formen aus. Doch nicht nur für die Künste, die diesen Zusammenhang offenlegen, sondern für alle Arten von Leben (Mensch, Tier und Pflanze) ebenso wie für Maschinen (Technik) erweist sich diese Annahme als grundlegend. Die Nähe zum Pragmatismus wird darin erkennbar. Für die symbolische Auslegung jedoch, wie sie dem Menschen eigen ist, gelte darüber hinaus, dass diese nicht nur von einem relationallogisch organisierten ›Tun‹, sondern von vital-affektiven (emotionalen) Aspekten abhänge. Dass dieser Schluss dann auch den Begriff von Ästhetik verändert und diesen für handlungsrelevante Aspekte öffnet, soll die nachfolgende Untersuchung zeigen.
Allsehendes Auge und unsichtbare Hand Zur Ästhetisierung neoliberaler Ideologie am Beispiel des European Council
Von A. Peter Maaswinkel | Die kritische Analyse politischer Bilder bedarf mehrerer Ansätze. Dementsprechend werden die üblichen Familien-Fotos und das Logo des Rates der Europäischen Union unter naturhistorischem sowie unter human- und geisteswissenschaftlichen Gesichtspunkten betrachtet. Die nachweisbare Inspiration durch religiöse Symbole wird relativiert und durch die These einer säkularen Metaphysik ergänzt. Emblem und Auftritt des Rates erweisen sich als kohärent mit dem ideologischen Hintergrund, den sie repräsentieren.
Als das Bild aus dem Rahmen fiel Drei Tagungsberichte aus einem trans- und interdisziplinären Feld
Von Maria Schreiber | Der vorliegende Artikel beleuchtet, basierend auf ausgewählten Beiträgen dreier Tagungen, aktuelle Schwerpunkte der disziplinen übergreifenden Auseinandersetzung mit dem Bild, Ikonizität und mit darauf bezogenen Praktiken. In den Blick genommen werden (1) die Relevanz von Technik im Kontext von Fotografie und Visualisierung, (2) künstlerische Forschung und (3) die Frage nach der Kunst des Forschens, nach unterschiedlichen Modi des Erkenntnisgewinns in einem trans- und interdisziplinären Feld.
Der Bredekamp-Effekt
Von Franz Reitinger | Wohl jeder wissenschaftliche Autor wünscht sich eine ausführliche Besprechung seines neuesten Buches in einer der führenden Tageszeitungen. Was als Megarezension kürzlich einer nicht mehr ganz so aktuellen Publikation widerfahren ist, mag künftige Autoren indes eher das Fürchten lehren. Horst Bredekamp hat auf einer Handvoll von ihm entdeckter Zeichnungen vor Jahren ein weitreichendes Gedankengebäude errichtet, das jetzt, da sich die Zeichnungen als Fälschung erwiesen haben, in sich zusammenzubrechen droht. Mit gefährdet ist ein ganzer Stab an Jungakademikern, die zu beweisen angetreten waren, dass ihr Meister recht hat. Welche Effekte ist diese üble Betrugsaffäre zu zeitigen imstande? Welche Schlussfolgerungen sind aus ihr in Hinblick auf die aktuelle und künftige Situation der Bildwissenschaften zu ziehen?
Origami Unicorn Revisited ›Transmediales Erzählen‹ und ›transmediales Worldbuilding‹ im The Walking Dead-Franchise
Von Hanns Christian Schmidt | Die Produktion, Distribution und Rezeption medienübergreifender Erzählwelten hat sich seit einiger Zeit als eine überaus produktive Stoßrichtung für die medienwissenschaftliche Forschung herausgestellt. Ein erster fruchtbarer Ansatz, diesem Phänomen theoretisch auf die Spur zu kommen, scheint dabei in der Unterscheidung zwischen transmedialem Erzählen im engeren Sinne nach Henry Jenkins’ Convergence Culture und dem ähnlich gelagerten, jedoch nicht equivalent zu fassenden Phänomen des sogenannten ›Worldbuilding‹ zu liegen. Auf der Suche nach einer schärferen Unterteilung dieser bei den Konzepte wird zunächst die Debatte um Jenkins’ Entwurf anhand des Dialogs zwischen Jenkins und seinem einstigen Lehrer David Bordwell nachgezeichnet. Die hieraus abgeleiteten Erkenntnisse werden mit einem Blick auf ein zeitgenössisches Fallbeispiel – das transmediale Universum des The Walking Dead-Franchise – übertragen.
Modifikationen eines Mythen-Patchworks Ludonarratives Worldbuilding in den Star Wars-Spielen
Von Andreas Rauscher | Der Aufsatz untersucht das auf der 1977 begonnenen Filmreihe basierende Star Wars-Universum als einen Prototypen des Transmedia Worldbuilding. Im Unterschied zu in sich geschlossenen, von einzelnen Autor/innen geprägten Welten wie The Lord of the Rings oder The Matrix schafft das eigendynamische Star Wars-Universum neue Kernels als erzählerische Kerneinheiten, die sich von den ursprünglich von George Lucas kreierten und auteurisierten Segmenten lösen können.
