Mit Daten malen Das kreative Potenzial der Motion Capture-Technologie

Von Carolin Scheler | Der Aufsatz untersucht das Verfahren der Motion Capture-Technologie als Werkzeug zur Datenvisualisierung. Um die aufgezeichneten Bewegungsdaten tatsächlich visuell erlebbar zu machen, reicht es nicht aus, sie lediglich zur Animation von Fantasiewesen zu benutzen. Im Fokus steht hier deshalb nicht die kommerzielle Nutzung, wie sie in großen Spielfilmproduktionen zum Einsatz kommt, sondern die Verwendung der Daten zur Erzeugung eines Erkenntnisgewinns – etwa über Bewegungsabläufe beim Tanz oder im Bereich der Musik. Die Daten werden hier nicht analog an virtuelle Körper gekoppelt, sondern oft abstrakt wiedergegeben. Die Ästhetik dieser so entstehenden Bewegtbilder hebt sich von einer filmischen Erzählweise ab und erinnert stattdessen stark an die frühen Anfänge der Animation, du zu Beginn häufig ebenfalls abstrakte Formen in Bewegung brachte und dabei oft selbstreflexive und sogar subversive Momente hervorbrachte.

Map ist nicht gleich Map Die Möglichkeiten der Map und deren Herausforderungen bei der Erstellung

Von Jennifer Münch | Auf einer klassischen Landkarte werden geografisch relevante Daten in unterschiedlichen Farben und Formen visuell dargestellt. Dies ist eine einfache Beschreibung einer klassischen Map in der Datenvisualisierung. Notwendig hierfür sind Geopositionen wie Längengrad und Breitengrad, GPS-Positionen oder je nach Visualisierungstool auch einfache Ländernamen oder -kürzel. Jedoch wird das System der Map nicht nur für die klassische Darstellung von Länderinformationen genutzt, sondern auch um Bilder einzubinden und diese als Visualisierungsgrundlage zu verwenden.Die Herausforderung hierbei besteht jedoch in der Verwendbarkeit der Visualisierungsform und deren Umsetzung. Denn je nach Use Case kann die Bearbeitung einer solchen Visualisierungsform viel Zeit und damit auch Geld kosten, was wiederum das Verhältnis zwischen Aufwand und Nutzen in Frage stellt. Um genau diese und andere Fragen zu beantworten, hat die Firma doubleSlash ein Vorgehensmodell entwickelt, welches bei der Planung und Umsetzung von Visualisierungen und Dashboards unterstützen soll.

How to counter – Mapping als Praxis einer aktivistischen Raumproduktion

Von Katrin Brümmer | Der vorliegende Beitrag widmet sich der kartografischen Darstellung von Räumen als Instrument sozialer Konstruktion und Macht. Er hinterfragt, ob Karten lediglich neutrale Abbildungen geographischer Realitäten sind, oder aktiv menschliche Intentionen und soziale Dynamiken beeinflussen. Basierend auf der kritischen Kartografie beleuchtet der Beitrag die enge Verflechtung von Macht und Wissen in kartografischen Diskursen. Dabei liegt der Fokus auf der Nutzung von Karten als Mittel zur Kontrolle und Reproduktion sozialer Hierarchien. Besonders im globalen Kontext erscheint diese Verbindung relevant, da Karten nicht nur Informationen vermitteln, sondern auch aktiv Einfluss auf Wahrnehmungen nehmen können. Die Auswirkungen der digitalen Technologie auf die Kartenerstellung und die Fülle an verfügbaren Geodaten werden dabei besonders berücksichtigt. Können Karten tatsächlich als bloße Orientierungshilfen betrachtet werden, oder spielen sie eine tiefgreifendere Rolle bei der Lenkung von Meinungen und Macht in der Gesellschaft?

Datenvisualisierung zwischen Sichtbarmachung, Verzerrung und Selbstermächtigung

Von Jonas Parnow | Trotz der weiten Verbreitung im popkulturellen Kontext und der starken Nutzung im kommerziellen und wissenschaftlichen Bereich ist die Datenvisualisierung als Werkzeug und Methodik noch wenig kritisch beleuchtet. Auf einer praktischen Ebene möchte ich Ansätze für eine reflektierte Auseinandersetzung aufzeigen. Diese Überlegungen sollen die verbreitete Annahme widerlegen, dass Daten die Realität objektiv abbilden. Anhand einiger Beispiele werden Visualisierungen aus popkulturellen Kontexten auf ihre Verzerrungen hin untersucht. Mit der Quantifizierung jeglicher Lebensbereiche und der Zentralisierung der Deutungshoheit über diese Datenmengen entwickelt sich ein zunehmendes Machtgefälle in der Gesellschaft. Als Reaktion darauf möchte ich im weiteren Verlauf dieses Artikels Projekte vorstellen, die Visualisierung zur Selbstermächtigung und Kritik dieser Ordnung nutzen und somit als Werkzeuge der Demokratisierung dienen können.

Narrative Visualisierung in der Medizin

Von Bernhard Preim und Monique Meuschke | Dieses Buchkapitel stellt eine Einführung in die narrative (computergenerierte) Visualisierung dar. Da diese Visualisierungen auf Daten basieren, wird alternativ der Begriff data-based storytelling verwendet. Dieses relativ neue und dynamische Gebiet ist dadurch gekennzeichnet, dass Strategien aus dem Film, dem Theater und der Literatur eingesetzt werden, um Informationen auf interessante Weise aufzubereiten und zu vermitteln. Spezielle Genres der narrativen Visualisierung haben sich etabliert, wie beispielsweise Data Comics, Datenvideos, Slideshows oder das Scrollytelling, das vor allem in den Online-Varianten von Zeitschriften breit eingesetzt wird. Narrative Visualisierung ist für viele Wissenschaftsbereiche relevant und kann einen Beitrag zur Wissenschaftskommunikation leisten. Besonders wichtig sind Wissenschaftsbereiche, die für breite Bevölkerungsschichten von Interesse sind. Dazu zählen die Klimaforschung, die Astronomie, aber natürlich auch die Medizin. Wir diskutieren basierend auf eigenen Erfahrungen vor allem das Design und die Rezeption von narrativen Visualisierungen medizinischer Themen.

Embracing Complexity

Von Julia Scholz-Köberlein | Die Komplexität unserer Welt wächst. Exponentiell. Alle Bereiche in denen wir handeln und leben sind zunehmend verflochten – die wirtschaftlichen, politischen und technologischen Zusammenhänge immer komplexer. Die aktuellen Probleme der Lösungen von gestern zeigen, dass ein Agieren im Silo langfristig unabsehbare Folgen haben kann. Ob aktuelles politisches Zeitgeschehen, Prozesse in Unternehmen oder wissenschaftliche Erkenntnisse: Um bessere Entscheidungen treffen zu können brauchen wir Details UND deren Kontext. Lineares Denken und lineare Vermittlungsmethoden können dem nicht gerecht werden. Darum hat Julia mit ihrem Team die Plattform KontextMaps entwickelt. Mit ihr können Übersicht und Tiefgang eines Themas in einer interaktiven Wissensmap vermittelt werden. Zum Eintauchen Entdecken und Verstehen.

Bunte Daten Konzepte und Geschichte(n) der Datenvisualisierung

Von Martin Scholz | Datenvisualisierungen sind, auch wenn für uns der digitale Kontext immer mitgemeint erscheint, letztlich eine alte Erfindung der Menschheit und in vielen Kulturen präsent, bspw. als Landkarten, Strömungsarten oder Klimaaufzeichnungen. Erst mit den Massenmedien des 19. Jahrhunderts gelangen diese Darstellungen zunehmend in die Öffentlichkeit. Die damit einhergehende andere Gestaltung – nämlich die für die Nicht-Expert*innen – muss als Entwicklungsgeschichte der Datenvisualisierung entlang der gesellschaftlichen Prozesse verstanden werden. Der emanzipatorische Prozess der zunehmenden Individualisierung führt zwangsläufig zu einer (explosionsartigen) Nachfrage nach einfachen, interaktiven, selbsterklärenden und zugleich verbindlichen Visualisierungsformen im sozialen Alltag. Der Aufsatz macht einen Vorschlag für ein fiktionales Visualisierungswerkzeug, das, ähnlich zu der Perspektivkonstruktion des 15. Jahrhunderts, die Vielzahl der verfügbaren Datensätze in eine einzige Perspektive, eben die des Subjektes, übersetzt.

Introduction to the Semiotics of Emoji and Digital Stickers

By Lukas R.A. Wilde and Klaus Sachs-Hombach | Every day, billions of emoji are sent via mobile devices and chat programs, messengers, and emails. The worldwide emoji standardization – established in 2010 by the California-based Unicode Consortium – was aimed at overcoming linguistic and cultural barriers through a new digital form of pictograms and ideograms. Certainly, much has been written on the various linguistic functions of emoji ever since (cf. the contributions in GIANNOULIS/WILDE 2020). They intensify, neutralize, or soften the content of linguistic messages and serve as markers of interpersonal relationships and social contexts. To Luke Stark and Kate Crawford (2015: 1), emoji can thus be thought of as »signifiers of affective meaning« doing »›emojional‹ labor« (STARK/CRAWFORD 2015: 4) within economies of attention and affect. Vyvyan Evans (2017) conceptualized constantly changing ›emoji codes ‹ – in contrast to an overarching ›emoji language‹ – in order to emphasize that their meaning can only ever be determined in relation to specific cultural circles and according to different social, gender, or age groups. Marcel Danesi (2019) likewise argued that emoji use corresponds to an episodic and in fact narrative logic. A further technical development is represented by digital stickers, which are offered by various messaging services as further ›translations‹ of individual emoji into unique pictorial expressions (cf. WILDE 2021). Going beyond notions of static codes or fixed grammars, this special issue of IMAGE approaches emoji and digital stickers from the perspective of everyday communication and mediation.

Language Decline due to Emojis? How Graphicons Contribute to Digital Communication Culture: A Pragma-Linguistic Approach

By Michael Beißwenger and Steffen Pappert | Over the past decade and driven by the prevalence of messaging apps, images have become an integral part of digital personal communication. This article addresses the emoji phenomenon from a pragmalinguistic perspective. Starting from examples from journalistic media describing emojis as a potential ›threat‹ for language and linguistic competences, we address two aspects of scepticism towards emojis in relation to the (German) language: (i) the question of whether emojis are capable of making language obsolete as a means of interpersonal communication (= ›end of cultivated written language‹) and whether they have the potential to replace language in the form of a pictorial symbol language which is considered less expressive; (ii) whether the high-frequency use of emojis in some domains of linguistic activity threatens the function and expressive power of written communication (= ›language decline‹, which impairs the expressive capacity of our language). Based on authentic examples of private WhatsApp communication from a linguistic corpus, we show that the use of emojis in written everyday communication does not make language ›poorer‹. Quite contrary to the fears expressed in the public discourse, emojis take on important functions for securing understanding and shaping relationships and, thus, have to be considered a multimodal device which support the organisation of interpersonal communication in the digital world.

Analyzing Emojis Semiotically: Towards a Multi-Dimensional, Theoretical Model Inspired by Charles S. Peirce

By Deborah Enzmann | Emojis have become an essential part of the communicative sign repertoires of billions of people. Their use has increased rapidly in recent years. The variability of meanings, the context-sensitive, polyfunctional, and ambiguous character of the signs is fascinating. The inconsistency of their many meanings, however, is a recurring topic in academic discourse. Research on the functions of emojis has mainly come from the field of linguistics, trying to structure and classify these signs from the respected perspectives. But what do sign processes using emojis look like? What influences do the formal, especially pictorial aspects have on the effect and the meaning of these signs? What is the relation between form and content? And how are ›abstraction‹ and ›identification‹ connected to each other? In the present article, the sign process with emojis will be explained based on Charles Sanders Peirce’s semiotics. Using messages from the ›Textmoji‹ case study and proposing a semiotic model, it will be shown what a sign process with emojis looks like. The focus will be on the intentions of users to employ these signs. Charles S. Peirce’s semiotics is applied to specific messages from the case study through a novel model based on his theory of signs. In a concluding step, the present article will demonstrate how recognition of a face takes place across different degrees of abstraction, drawing especially on comic book theory and cognitive semiotics.