Modehandeln zwischen Bild und Text – Zur Ikonotextualität der Mode in der Zeitschrift

Von Dagmar Venohr | Anhand der exemplarischen Untersuchung der Text-Bild-Relation der Modestrecke einer Zeitschrift lässt sich zeigen, dass und wie sich Mode erst im performativen Zusammenspiel der aisthetischen Wahrnehmung von Text und Bild durch die Rezipienten konstituiert. Diese Verschiebung des sinnstiftenden Momentes von der ästhetischen Produktion hin zur aisthetischen Rezeption, eröffnet einen Spielraum, der als zurückeroberter Freiraum für die Rezipienten erfahrbar und nutzbar ist. Rezeption kann dann als ästhetische Eroberung verstanden werden.

Die Konstruktion internationaler Politik in den Bildsequenzen von Fernsehnachrichten Quantitative und qualitative Inhaltsanalysen zur Darstellung von mediatisierter und inszenierter Politik

Von Sabrina Baumgartner und Joachim Trebbe | Mit welchen Bildtypen wird Politik in Fernsehnachrichten dargestellt? Wie wird mediatisierte und inszenierte Politik in Fernsehnachrichten dargestellt? Diesen Fragen geht der Beitrag anhand einer quantitativen und einer qualitativen Inhaltsanalyse der Nachrichten über internationale Politik in der Tagesschau des Schweizer Fernsehens nach. Die Ergebnisse der Analyse von 29 Themenbeiträgen und 226 Sequenzen werden dabei unter inhalt-lichen und methodischen Gesichtspunkten diskutiert. Unter anderem zeigt sich, dass inszenierte Bildtypen zwar seltener vorkommen als mediatisierte oder genuine, aber in der Berichterstattung mehr Zeit einnehmen und sehr unterschiedlich personalisiert werden.

Bilder lesen …

Von Hermann Kalkofen | Bilder lesen – eine Floskel, die im kunstwissenschaftlichen Diskurs zunehmend Verwendung findet, von ernstzunehmenden Autoren wie Claude Gandelman (1991) – ›Reading Pictures, Viewing Texts‹ – scheint‘s völlig ernst gemeint. Vor diesem Hintergrund soll einerseits versucht werden, die wesentlichen Merkmale jener Art des fovealen Sehens zusammenzustellen, die sich als Lesen bezeichnen läßt und alsdann zu überprüfen ob nicht mit einigem Recht tatsächlich in einem nicht nur mehr metaphorischen Sinn von einem Bilder-Lesen gesprochen werden könnte. Die Frage ist andererseits nicht unabhängig von der Frage nach der Beschaffenheit der graphischen Zeichenverbände, die einen ›Lesestoff‹ darstellen sollen.

Bildtransfers Der Einsatz visueller Medien in der Indianermission Neufrankreichs

Von Franz Reitinger | This historical essay focuses on the implementation and the effect of images, charts and maps on the Native American during the Christianizing campaigns of the Jesuit mission in the 17th century. The detailed mission reports allow us to describe the introduction of the mimetic image in an indigene culture as a technological transfer which made the acculturative process work.

Zur Sozialität des nichtfotorealistischen Renderings Eine zu kurze, soziologische Skizze für zeitgenössische Bildmaschinen

Von Andreas Schelske | Wie müsste eine Bildmaschine für automatische Malereien konstruiert sein, damit sie in westlichen Gesellschaften so erfolgreich wird wie die digitale Fotokamera oder wie eine Game Engine für dreidimensionale, fotorealistische Computerspiele? Die soziologische Frage ist: Welcher Bauart müsste eine nicht-fotorealistische Bildmaschine sein, um in der bildvermittelten Kommunikation unserer Kultur spezifische Funktionen und Aufgaben zu erfüllen?

Pudowkins Experiment mit Kuleschow

Von Hermann Kalkofen | Mit Groden & Kreiswirth 1997 kann der Kuleschow-Effekt – »the basis of film language« (Mitry 1998/1963) – großzügig aufgefasst werden als »the inherent magic of the film medium itself, the creation of meaning, significance, and emotional impact by relating and juxtaposing individual shots«. An der Realität eines solchen Kuleschow-Effekts sensu lato – »die Bedeutung einer Einstellung hängt vom jeweiligen Kontext ab« und »eine Veränderung der Reihenfolge von Einstellungen in einer Sequenz verändert auch die Bedeutung der einzelnen Einstellungen sowie die der Gesamtsequenz« (Wulff 1993) – ist schlechterdings nicht zu zweifeln.

Visuelle Erkenntnis Zum Bildverständnis des Hermetismus in der Frühen Neuzeit

Von Regula Fankhauser | Eine strenge Grenzziehung zwischen rational-objektivem Wissensbereich und ästhetisch-subjektivem Imaginationsbereich wird zunehmend problematisch. Ein erneuter Blick auf einige Aspekte der vorwissenschaftlichen Bilderwelt der Hermetiker zeigt interessante Parallelen zu aktuellen Diskussionen rund um den epistemologischen Stellenwert des Visuellen. So weiß der Einsatz von visuellen Codes in Bilderschriften als buchstabensprengendes Verfahren die heuristische Kraft des Bildlichen zu nutzen. Das hermetische Diagramm sodann verdeutlicht, wie Hermetiker modellhaftes Denken begreifen und welche Rolle sie hierbei der Bildproduktion zuweisen. Und schliesslich lässt sich an alchemistischen Emblemen nachlesen, wie im Zusammenspiel von visueller und verbaler Sprache das nur Bildmögliche evidenziert und epistemologisch thematisiert wird.